Minergie-ECO
Innovationen
Seit der Version 2023 des Vorgabenkatalogs Minergie-ECO werden Projekte mit innovativen Ansätzen, die über die normalen Praktiken und die Vorgaben im Vorgabenkatalog hinausgehen belohnt.
Dazu gibt es zwei Ansatzpunkte:
- Innovative, neue und/oder pionierhafte Ansätze und Anwendungen zu berücksichtigen Themen, angewendeten Prozesse und umgesetzen Aspekten
- Deutliche Übererfüllung einer oder mehreren Vorgaben
Nachfolgend werden Ideen aufgelistet, welche als Innovationen angerechnet werden können. Die Liste ist nicht abschliessend sondern als Inspiration und Ideenenentwicklungsgrundlage zu verstehen.
Innovationsideen zur Erreichung hoher Gesundheitsziele
- Gesundheitsangebote für Nutzende (im Gebäude): Es besteht ein überdurchschnittliches Raumangebot für die Gebäudebenutzenden wie Fitnessraum, Freizeitraum, (halböffentlicher) Veranstaltungsraum etc.
- Gesunde Verpflegungsangebote im Gebäude: Mindestens die Hälfte der angebotenen Menüs sind vegetarische/vegan oder es besteht eine Zertifizierung (z.B. ibex fairstay, Fourchette Verte) oder eine entsprechende Mitgliedschaft (z.B. PAN DACH)
- Die Innenraumluft wird in den Hauptnutzräumen konstant überwacht (z. B. CO2-Messung) und die Luftmenge stufenlos angepasst.
- Gesundheitsangebote für Nutzende: Abgabe von Gutscheinen oder Vergünstigungen für Fitness, Yoga, Tai Chi usw.; regelmässige Gesundheitsangebote vor Ort, beispielsweise Mittagsturnen, Jogginggruppen oder Rückengymnastik am Arbeitsplatz.
- Alle im Innenraum verwendeten Produkte sind nachweislich vollständig lösemittelfrei (0 % LM).
- Alle im Innenraum verwendeten Produkte sind nachweislich formaldehydfrei gebunden.
- PFAS-Massnahmen mit Fokus auf konstruktive Alternativen, wo möglich (bei Bauteilen gemäss Zusammenfassung ecobau, weiterführende Informationen VSA).
- Kleine Bauten < 1000 m² EBF: Übererfüllung, wenn zusätzliche Vorgaben aus dem Standardkatalog erfüllt werden.
Innovationsideen zur Verminderung der Umweltbelastung
- Es werden maximal 10% der bestehenden Bäume gefällt mit Stammumfang <60cm.
- Anfallendes Abwasser wird auf dem Grundstück gereinigt und wiederverwendet oder vor Ort versickert (Grauwassernutzung z.B. gemäss Fallstudien VaLoo, Studie ZHAW mit Empfehlungen).
- Auf dem Grundstück bestehende eingedolte oder verbaute Gewässer werden soweit technisch möglich offengelegt und renaturiert (z.B. gemäss fokus-n).
- Die mikroklimatischen Verhältnisse im Freiraum werden simuliert und aufgrund der Simulationsresultate optimiert (z.B. mit ENVI-met, QKM HLSU).
- Regenerativer Projektansatz mit naturbasierter Infrastruktur: Hochbau und Freiraumgestaltung als integrales Gesamtsystem, Koordination von Klimaschutz, Biodiversität, Wassermanagement, Mikroklimaregulation und Freiraumqualität (z.B. gemäss WhitePaper Naturbasierte Infrastruktur).
- Umsetzung eines zirkulären Sanitärsystems (z.B. gemäss Toolbox eawag)
- Es gibt ein Bewirtschaftungssystem für die Parkplätze.
- Für Restaurants und Cafeterias besteht ein wirksames Food-Waste-Management (Beispiele im Weissbuch städtisches Ernährungsmanagement).
- Smart Building mit Monitoring und effizienter Steuerung von Gebäudetechnik und Apparaten, Lastenmanagement oder Optimierung vom Energieverbrauch im Betrieb (z.B. Minergie Modul Monitoring, Lastenmanagement)
- Planungs- und baubegleitendes Facility Management (pbFM) gemäss SIA 113 wird umgesetzt.
- Das Gebäude wurde integral mit BIM-Methodik geplant und optimiert sowie alle relevanten Daten für Bewirtschaftung und Betrieb übernommen (LCDM) (z.B. gemäss Publikation Asset Information Model).
- Detaillierter Einbezug der Gebäudetechnik in die Ökobilanzierung über die Vorgaben von SIA 2032 und Minerge/-ECO hinaus.
- Einbezug bzw. Berücksichtigung von Ökobilanzierungen bei der Freiraumgestaltung (z.B. gemäss Grobökoblianz von Freiraumelementen, ECO2nstruct).
- Gebäuderessourcenpässe (z.B. Building Circularity Passport (EPEA), Madaster-Gebäudepasse, Gebäudepass Schweiz, DGNB/SGNI Gebäuderessourcenpass).
- Rückbau-Zertifikat (z.B. gemäss DGNB/SGNI)
- Anwendung des Zirkularitätsindikators (z.B. gemäss ZMM).
- Ermittlung des ökonomischen Restwerts der enthaltenen Ressourcen.
- Dokumentation der Lieferkette Scope 3 Tier 3 (gemäss GHG Protocol und CSRD)
- Die Gewinnung der im Gebäude verbauten Ressourcen erfolgt zu 30 % des Bauteilvolumens auf dem Grundstück (z.B. vor Ort Verwendung von Lehm, Beispielprojekte Hortus, Maison de Quartier des Plaines-du-Loup).
- Modulare Bauweise: das Gebäude wird so geplant und erstellt, dass es sich ohne Zerstörung von Bauteilen wieder einfach demontieren, transportieren und an anderer Stelle mit geringem Aufwand wieder aufbauen lässt (z.B. Sekundär-Nutzung von bestehenden Holzelementen und -modulen, Umsetzung der Prinzipien von AZMD FHNW)
- Die Tragstruktur der Geschosse über Terrain wird zu mindestens 80% (Anteil Bauteilvolumen Tragwerk) aus nachwachsenden Rohstoffen erstellt (z.B. Projekt Haus des Holzes).
- Anwendung des Anhangs ND zu SN EN 206:2013+A2.
- Einsatz von Laubholz (für z.B. Trockenestriche, für z.B. Tragwerkskonstruktionen)
- Umsetzung einer Edelrohbauweise: Verzicht auf Schichten / Konstruktionen für Boden-, Wand- und Deckenbelägen bei 80% der Raumoberflächen (z.B. Beispielprojekt Kirchrainweg)
- Reduktion von Treibhausgasemissionen von Lüftungsanlagen (z.B.gemäss Studie AHB Zürich / HSLU).
- Alle verwendeten Produkte sind vollständig biozid- und fungizidfrei.
- Vorbildliche Abfallbewirtschaftung durch Anwendung der SIA 430.
- 30 % des Materialvolumens der neu verbauten Ressourcen stammen aus Wiederverwendung.
- Wiederverwendung bei der Freiraumgestaltung (Beispielprojekt Koch-Park).
- Wiederverwendung von Fenstern oder Verglasungen (z.B. gemäss WindowsOfOpportunities).
- Nachgewiesener Anteil an Recyclingglas in Floatglas (z.B. basierend auf Fachverband Fenster und Fassadenelemente).
- Sanierung von Fenstern im eingebauten Zustand (z.B. gemäss FenSanReuse)
- Pionierhafter oder umfassender Einsatz von Bauprodukten biogenen, geogenen oder recyclierten Ursprungs (z.B. Oxara, Cancrete, Rematter, Terrabloc, Zirkulit, Lehmbauweise, Strohbau, generell Materialien gemäss Atlas RegenMat).
- Einsatz schwer absetzbarer Rohholzsortimente (wie z.B. gemäss Factsheet Innovativer Holzprodukte, empa Bericht verblautes Käferholz)
- Management der Kohlenstoffsenken in Gebäuden (z.B. gemäss Minergie Netto-Null, Carbon Standard)
- E-Baustelle: Einsatz von elektrisch betriebenen Baufahrzeugen (z.B. E-Baustelle Stadt Zürich, Liste elektrischer Baumaschinen)
- Einsatz von Kompotoi als Baustellentoilette als Beitrag zu ressourcenorientierten Sanitärsystemen
- Kleine Bauten < 1000 m² EBF: Übererfüllung bei Erfüllung zusätzlicher Vorgaben aus dem Standard-Katalog