Leitfaden ZMM 1.1 - Materialfluss - Indikator - in Arbeit
Für die Transformation zu einer zirkulären Bauwirtschaft und zur Erreichung von Netto-Null 2050 braucht es geeignete Werkzeuge.
ecobau arbeitet gemeinsam mit C33 und der Circular Building Charta (CBC) an der Aktualisierung des Leitfadens ZMM 1.0 zum Leitfaden ZMM 1.1. Ziel ist ein methodisches Instrument, das die Bauwirtschaft bei der Umsetzung aktueller gesetzlicher Anforderungen (VVEA) sowie der Eigenverantwortung gemäss Umweltschutzgesetz (USG) im Bereich Ressourcenschonung unterstützt.
Mit der Revision des Umweltschutzgesetzes (USG, 1.1.2025) wurden zentrale Grundsätze der Kreislaufwirtschaft stärker verankert. Art. 10h Abs. 2 beschreibt Massnahmen zur Schonung natürlicher Ressourcen und zur Förderung der Kreislaufwirtschaft. Art. 35j adressiert ressourcenschonendes Bauen über den gesamten Lebenszyklus von Bauwerken. Dazu gehören unter anderem der Einsatz umweltschonender Baustoffe, die Nutzung von Materialien aus der stofflichen Verwertung von Bauabfällen sowie die Wiederverwendung von Bauteilen.
Bereits seit 2016 verpflichtet die Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA) dazu, Abfälle zu vermeiden. Für viele Akteur:innen der Bauwirtschaft, insbesondere Bestellende und Planende, fehlen bislang konkrete Instrumente, um diese Anforderungen frühzeitig in Bauprojekten zu berücksichtigen.
Hier setzt ZMM 1.1 an.
Der Leitfaden „Zirkularität messbar machen“ (ZMM 1.1) stellt eine Bewertungsmethodik zur Messung der Materialzirkularität auf Ebene Baumaterial bereit. Damit wird erstmals eine einheitliche, normbasierte Methodik geschaffen, unter anderem in Anlehnung an ISO 59020 und EN 15804.
ZMM 1.1 ist
• ein Materialflussindikator zur Bewertung der Materialzirkularität
• methodisch mit Normen und der Ökobilanzlogik harmonisiert
• auf Baumaterialien anwendbar und damit eine Grundlage für Materialentscheidungen
• vergleichbar, transparent und nachvollziehbar
Eine isolierte Betrachtung einzelner Indikatoren genügt jedoch nicht für nachhaltiges Bauen. Es ist stets eine Kombination verschiedener Bewertungsansätze erforderlich, wie sie beispielsweise bei ecobau für die Dimensionen Ökologie und Gesundheit etabliert ist. Die im ZMM 1.1 definierten Zirkularitätsindikatoren ergänzen diese Ansätze, indem sie Transparenz schaffen und Anreize für kreislauffähiges Bauen setzen. Im Kontext von Netto-Null 2050 hat jedoch die Bewertung über Ökobilanzindikatoren wie Treibhausgasemissionen oder Umweltbelastungspunkte weiterhin erste Priorität.
Der Leitfaden ist bewusst als erster Schritt konzipiert. ZMM 1.1 beschreibt eine Bewertungsmethodik für Baumaterialien, jedoch nicht für Bauteile oder Bauwerke und ersetzt weder Produkt- noch Gebäudeökobilanzen. Vielmehr schafft er eine Grundlage, auf der weitere Werkzeuge für Bauteil-, Bauwerkssystem- und Gebäudeebene entwickelt werden können.
Eine zentrale Voraussetzung dafür sind geeignete Grundlagendaten zu Baumaterialien. Diese werden über die Plattform Ökobilanzdaten ÖDB (KBOB-Liste) erarbeitet und bereitgestellt. Parallel wird die Methodik aktuell an konkreten Baumaterialien praktisch getestet.
Damit entsteht schrittweise die methodische Basis für einen Werkzeugkoffer zur Umsetzung von Ressourcenschonung in Kombination mit Ökobilanzierung, der die Ziele von Netto-Null 2050 im Bauwesen unterstützt und den Transformationsprozess hin zu einer zirkulären Bauwirtschaft vorantreibt.